
Wilhelm Reiners ist der Erholungswert im Stadtpark wichtig. © Andreas Wotte
Wilhelm Reiners: "Als Bürgermeister will ich mehr Bürgerbeteiligung."
Als Reelmaker bekannt, hat sich Wilhelm Reiners ein profundes Wissen über den Papenburger Politikbetrieb angeeignet. "Die Bürger bei Planungen der Stadt mehr mitnehmen", ist sein Motto. Aber was bedeutet das für den Radverkehr in der Stadt?
Wilhelm Reiners hat sich auf Instagram einen Namen als der Reelmaker gemacht. Jetzt kandidiert der 61-jährige Unternehmensberater für das Bürgermeisteramt. Wir treffen Wilhelm Reiners im Papenburger Stadtpark auf einem breit asphaltierten Weg und schauen uns hier die Verkehrssituation von Erholungssuchenden und Radfahrenden an.
Lieber Wilhelm Reiners, welche Relevanz hat dieser Ort für Sie, wenn es um Lebensqualität in Papenburg geht?
Das Problem, was wir hier haben, ist ein Hybrid von Durchgangsverkehr und Aufenthalt. Der Stadtpark soll ein Ort des Aufenthalts und der Erholung sein. Wenn wir gleichzeitig Durchgangsverkehr für den Radverkehr anbieten, funktioniert die angestrebte Erholung hier nicht. Entweder, es ist Aufenthalt, oder es ist Durchgangsverkehr.
Müsste es Ihrer Meinung nach denn einen parallelen Weg für den Radverkehr geben, oder sollte der Radverkehr aus dem Stadtpark herausgehalten werden?
Wenn wir den Stadtpark so nutzen wollen, wie es vorgesehen ist, als Ort des Aufenthalts und der Entspannung, müssen wir die Räder hier raushaben und denen eine Alternative bieten.
dank unserer Umfrage zum Radverkehr in Papenburg wissen Sie wie auch alle anderen Kandidat*innen und Parteien, was unserer Bevölkerung beim Radverkehr am meisten unter den Nägeln brennt.
- 94% der von uns Befragten halten mehr Geld für den Radverkehr im Haushalt für nötig.
- 94% unterstützen den Ausbau des Fahrradstraßen-Netzes.
- 92% halten sogenannte Schulstraßen vor den Schulzentren für eine geeignete Maßnahme.
- 82% wünschen sich mehr Piktogrammketten auf den Papenburger Hauptstraßen.
- 81% unterstützen Tempo 30 an ausgewählten Straßen in der Stadt.
- 80% glauben trotz geringer Bekanntheit, dass der Einsatz von ARAS eine gute Sache ist.
Bei der Frage zur Dringlichkeit steht mit
- 87,7% die Behebung der Radwegschäden durch Wurzelbildung an der Spitze der notwendigen Erste-Hilfe- Maßnahmen.
- 85,7% denken, dass sich dringend um sicherere Schulwege gekümmert werden muss.
- 84% beklagen den desaströsen Zustand der Oberflächen der Radverkehrsanlagen.
- 77,7% wünschen sich mehr Sicherheit für den Radverkehr auf der Straße.
Aber was genau kann in der kommenden Legislatur 2026-2031 in Gang gesetzt und was kann realisiert werden? Wo werden die Schwerpunkte Ihrer Bürgermeisterschaft liegen, wenn es darum geht, Papenburg fahrradfreundlicher und verkehrssicherer zu machen?
Zustand der Radwege:
Wir sehen an der Umfrage, die große Mehrheit der Papenburger*innen den Zustand der Radwege. Was würden Sie veranlassen, damit sich die Radwege am Ende der Legislatur in einem deutlich besseren Zustand befinden?
"Grundsätzlich ist eine der Ursachen, dass wir jahrelang die falschen Bäume gepflanzt haben. In der Zukunft müssen wir immer daran denken, Tief- anstatt Flachwurzler zu pflanzen. Da wo es dramatisch wird, müssen wir was machen. Das kann unter Umständen auch heißen, „hier muss ein Baum weg“.
Ungeachtet möglichen Neubaus befinden wir uns in Papenburg bei der Instandhaltung der Radwege im Hintertreffen. Rund 88% der Papenburger*innen sehen die Beseitigung der Schäden durch Wurzelbildung als dringlichste Aufgabe, wenn es um den Rundverkehr in Papenburg geht. Ist dies ein Thema, wo Sie als Bürgermeister sagen würden, da setze ich Geld aus dem kommunalen Haushalt für ein?
“Da wo es notwendig ist, definitiv. Ansonsten ist meine erste Vorgehensweise, wir müssen grundsätzlich den Radverkehr neu denken. Wir kommen nicht mehr darum herum, dass wir jetzt anfangen müssen. Wir müssen den Bestand in Ordnung halten, aber wir brauchen in den nächsten Jahren ein ganz neues Radwegekonzept vom Obenende über das Untenende bis nach Aschendorf und Herbrum. Das ist das Erste, um das ich mich kümmern werde.”
Bedeutet das, dass Sie der ADFC-Idee eines Radwegekonzeptes, bei der die Hauptverkehrsachsen des Radverkehrs alternativ zu den Verbindungen des Kraftverkehrs, neu gedacht werden, zustimmen würden?
“Definitiv, steht ganz oben auf der Agenda. In der Zukunft wird es weniger Kraftverkehr geben. Öffentliche und CO2-freundlichere Mobilität wie Rad- und Fußverkehr werden auch hier in Papenburg zunehmen. Daher kommen wir nicht darum herum, dass wir die bestehenden Strukturen der Verkehrsinfrastruktur aufbrechen müssen.”
Als Bürgermeister würden Sie also den öffentlichen Nahverkehr, wie auch den Radverkehr stärken wollen?
“Definitiv! Ein ganz wichtiger Punkt dabei: Diese Umstrukturierung geht nur mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, die ja sowohl Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger sind. Wir müssen die Interessen der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer in Einklang bringen.”
Sie sehen die Zukunft also so, dass wir mehr Radverkehr und eine Reduktion des Kraftverkehrs brauchen?
“Das wird so kommen. Wir können uns nicht dagegen wehren.”

Finanzierung:
Diese Pläne werden wir nicht ohne mehr Geld verwirklichen können. 94% der in unserer Umfrage Befragten wollen, dass aus dem kommunalen Haushalt mehr Geld in Reparatur und Ausbau des Radwegenetzes gesteckt werden soll.
Können Sie sich dieser Forderung anschließen und können Sie sich auch Umschichtungen im Haushalt vorstellen?
“Umschichtungen zugunsten der Verbesserung unserer Radwege, ja. Aber grundsätzlich kann die Lösung nur sein, dass wir mehr Geld für den Radverkehr brauchen. Das gelingt, mit dem 100-Millionen Euro Investitionsprogramm, dass ich zusammen mit dem UBF erstellt habe. 30 Millionen aus diesem Programm sind für den Radverkehr vorgesehen. Das Programm setzt sich u.a. aus Förderprogramme, Eigenmittel und Investitionskredite zusammen. Aufgabe der Stadt muss die Stadt auch selber Geld vedienen, um ihre Investionsprogramme zu finanzieren. Als Beispiel hierfür sehe ich das Thema Energieerzeugung.”
Manche sagen, bei der Haushaltsplanung der Stadt Papenburg wird am Ende geschaut, wieviel für Radinfrastruktur übrigbleibt. Würden Sie diese Art der Setzung von Prioritäten in der Haushaltsplanung der Stadt Papenburg verändern wollen?
“Ja, auf jeden Fall.”
Fahrradstraßen:
Einer der großen Leistungen der letzten Legislatur war die Widmung der Fahrradstraßen durch die Bürgermeisterin. Aber wie geht es jetzt weiter? Klug wäre, das Netz der Fahrradstraßen weiter auszubauen. Andererseits beklagen viele Papenburger*innen den schlechten baulichen Zustand der Fahrradstraßen. „Was nützen mir die Fahrradstraßen, wenn ich auch denen mit meinem Pedelec nicht in angemessener Geschwindigkeit zur Arbeit fahren kann“, lautet eine oft gehörte Kritik.
Wo sehen Sie die nächste Fahrradstraße und wie kann eine spürbare Verbesserung der Oberflächen in der nächsten Legislatur gelingen?
“Von den Umwidmungen zu Fahrradstraßen halte ich in dieser Form nicht so viel. Außer der Beschilderung ist ansonsten nichts mit den Straßen passiert. Es fehlt die zusammenhängende Struktur, es fehlen Querverbindungen, die ein sicheres Netz von Fahrradstraßen ermöglichen.”
Als Bürgermeister läge Ihnen also ein durchgehendes Konzept für Fahrradstraßen am Herzen?
“Schauen wir uns die Radverkehrssituation an der Fahrradstraße Mittelkanal vor dem Restaurant Mykonos an. Das ist die gefährlichste Ecke, die ich in Papenburg im Radverkehr kenne. Hier fehlt eine sichere Verbindung der Fahrradstraßen Wiek / Mittelkanal.”
Anders als zuletzt von der Verkehrskommission in Papenburg abgelehnt, würden Sie sich für eine Verlegung der Querungshilfe für den Radverkehr auf die Höhe der Fahrradstraße Wiek zugunsten höherer Sicherheit für die Radfahrenden einsetzen?
“Nur so machen die Fahrradstraßen Sinn, indem wir durchgängige Verbindungen schaffen.”
Viele Papenburgerinnen und Papenburger benutzen die Fahrradstraßen gar nicht, weil die Oberflächen oftmals einer Buckelpiste gleichkommen. Wie stehen Sie zu der Sanierung der Fahrradstraßen?
“Wenn es nach mir ginge, wäre das anders. Bislang lief es so, dass für den PKW bezogenen Kraftverkehr immer die besseren Oberflächen gab. Ich würde mich gerne an der Stadt Münster orientieren, wo gesagt wird, die rollfähigsten Oberflächen befinden sich immer auf den Fahrradstraßen. Ohne gute Oberflächen werden Fahrradstraßen nicht genutzt.
Ein anderes Beispiel für Stückwerk ist die Fahrradstraße Bülte. Wenn ich nicht einmal eine wegweisende Beschilderung zur Fahrradstraße habe, um den Radverkehr auch alternativ zu lenken, kann die Fahrradstraße ihre Wirkung gar nicht richtig entfalten."
Ein mögliches Konzept zusammenhängender Fahrradstraßen wäre die Verbindung vom Schulzentrum Kleiststraße zum Obenende über den Lünkenweg, Süderweg, Barenbergstraße bis zur Fahrradstraße Bethlehem. Entspricht diese ADFC-Idee einer Radverkehrsachse Ihren Vorstellungen eines zusammenhängenden Radwegekonzeptes mit Fahrradstraßen?
“Das würde ich als Bürgermeister gerne prüfen wollen. Konzeptionell sind solche Verbindungen das, was wir für die Zukunft brauchen, ungeachtet ob es jetzt diese oder eine andere Radverkehrsachse wird. Ich muss vom Obenende mit dem Rad zum Untenende kommen, ohne mir jedes Mal überlegen zu müssen, wie ich fahre.”
Bülte:
Sie haben das Problem der Zuwegung zur Fahrradstraße Bülte angesprochen. Als ADFC setzen wir uns für eine Verlängerung dieser Fahrradstraße bis zur Bahn in Aschendorf ein, anstatt den Radverkehr über die Lange Straße wieder auf die Emdener zu lenken. Viele der von uns Befragten begrüßen diese Idee. Wie stehen Sie zu der Verlängerung der Bülte bis zur Bahn in Aschendorf und was halten Sie von der Idee eines Fahrradtunnels als Verbindung zur Windhorststraße zugunsten einer sicheren Radverkehrsverbindung Schulzentrum Aschendorf - Untenende?
“Das halte ich für eine zielführende Lösung auf dem Weg zu zusammenhängenden Radverkehrsverbindungen. Im Sinne guter Radverkehrsführung gehört dazu aber auch eine gut erkennbare Beschilderung für den Radverkehr.”
Würden Sie sich für eine solche Verbindung nebst Fahrradtunnel zur Windhorststraße einsetzen?
“Jede direkte Verbindung werde ich unterstützen. Insofern, ja. Wir kommen nicht darum zu, den Radverkehr zu ertüchtigen. Wir können den Prozess aktiv begleiten, oder wir können abwarten, bis uns die Dinge um die Ohren fliegen.”
Piktogrammketten:
An vielen Hauptstraßen in der Stadt werden Radfahrende genötigt und bedrängt. Häufig in dem falschen Bewusstsein, der Radverkehr gehöre auf die straßenbegleitenden Fußwege, auf denen - sofern überhaupt zulässig - maximal 7 km/h gefahren werden darf. Piktogrammketten wie an der Friederikenstraße helfen den Kraftzeug-Fahrenden bei der Bewusstwerdung der Rechte der Radfahrenden. Sie sorgen so für mehr Verkehrssicherheit und ein besseres Fahrradklima in der Stadt. Prädestinierte Beispiele hierfür sind beispielhaft die Friesenstraße, Gutshofstraße, Russelstraße oder Johann-Bunte-Straße.
Werden Sie sich für den verstärkten Einsatz von Piktogrammketten auf den Hauptstraßen in Papenburg einsetzen?
“Piktogrammketten sind ganz ganz wichtig. Man sieht es am Obenende. Neben den Piktogrammketten machen auch die gestrichelten Linien, sprich Radfahrschutzstreifen Sinn. Piktogrammketten helfen, den Radfahrenden auf der Straße mehr Sicherheit zu geben.”

Aufgeweitete Radaufstellstreifen (ARAS):
Häufig entstehen Unfallsituationen für Radfahrende in Abbiegesituationen, da diese oft im toten Winkel der Rückspiegel des Kraftverkehrs verschwinden. Viele Städte wie Meppen setzen bei der Verkehrssicherheit auf die ARAS (roter Aufstellstreifen für Fahrräder vor Ampelanlagen), denn sie stellen eine einfache Abhilfe dar.
Stellen wir uns solch einen roten Aufstellstreifen an der Ampel auf der Goethestraße vor: Die Radfahrenden fahren bis an die Ampel, stehen vor den Autos und können, wenn Sie geradeaus fahren oder links abbiegen, nicht mehr übersehen werden. Tote-Winkel-Unfälle von rechts abbiegenden PKW werden so vermieden.
Setzen Sie sich für die konsequente Anwendung von ARAS vor Ampeln bei gemischter Verkehrsführung (Verkehrsfläche für Kraft- und Radverkehr (Beispiel: Fahnenweg)) ein?
Wir sollten alle kostengünstigen Maßnahmen wie diese, die eine Verbesserung der Verkehrssicherheit bringen und die Fahrradfreundlichkeitin der Stadt verbessern, umsetzen. Ich sehe Verkehrssituationen wie diese immer mit den Augen des Autofahrers der ich bin, des Fußgängers, der ich bin und des Radfahrers, der ich bin. Als Autofahrer finde ich es viel sicherer, an Ampelanlagen Radfahrer vor mir zu haben, anstatt Gefahr zu laufen, sie im toten Winkel meines rechten Außenspiegels zu übersehen.
Kreisverkehr
Ein ähnliches Problem mit Unfällen infolge übersehenen Radverkehrs besteht in Kreisverkehren. Der furchtbare Unfall einer Schülerin, die von einem LKW am Kreisverkehr Osterkanal übersehen wurde. Bei einer Verkehrsführung des Radverkehrs VOR Kreisverkehren AUF der der Straße, wie es in manch anderer Stadt üblich ist, hätte es diesen Unfall nicht gegeben. Eine nicht kleine Zahl der von uns Befragten findet diese Idee trotz nachgewiesener positiver Effekte eher nicht so gut und würden sich mit dem Rad im Kreisverkehr nicht sicher fühlen.
Wie stehen Sie zu dem Thema?
"Grundsätzlich halte ich die Idee für prüfenswert. Als Stadt Papenburg sollten wir uns mit den Verkehrsplanenden z.B. in der Stadt Nordhorn unterhalten, um von deren Erfahrungen hierbei zu lernen."
Schulstraßen:
Es gibt – nach Initiative des ADFC Niedersachsen - seit 2025 einen Erlass zu Schulstraßen im Land Niedersachsen. Hierbei geht es darum, mehr Sicherheit für den Fuß- und Radverkehr vor den Schulen zu schaffen. Dank des Erlasses des Landesverkehrsministeriums sind Kommunen jetzt auch in Niedersachsen in der Lage, rechtssicher Schulstraßen vor Schulen und Kindergärten widmen zu können. Sowohl aus Überlegungen der Stadtverwaltung 2017 zu autofreien Zonen, als auch aus der Initiative des Stadtelternrates 2019 mit Unterstützung der SPD, die Elterntaxi-Flut einzudämmen, ist nichts geworden.
Wie stehen Sie zu dem Konzept der Schulstraßen und wo würden Sie die gerne in Papenburg und Aschendorf einsetzen?
“Unbedingt! Wir müssen wieder dahin zurückkommen, dass Schülerinnen und Schüler wieder selbständig und ohne Gefahr mit dem Rad zur Schule fahren können. Dabei können Schulstraßen helfen. Und das kriegen wir gemeinsam mit den betroffenen Schulen und Elternkreisen auch wieder hin.”
Schulwegekonzept:
Wir haben uns nun schon über Radwegekonzepte unterhalten. Sie sagen, dass wir Radverkehr neu denken und uns um ein zusammenhängendes Radverkehrsnetz kümmern müssen. In diesem Zusammenhang spielt die Entwicklung eines Schulwegenetzes eine wichtige Rolle. Der ADFC Papenburg setzt sich für die Entwicklung eines sicheren Schulwegenetzes ein in dem wir eine gleichzeitig funktionale und sichere Leitung des Schulradverkehrs entwickeln, die verkehrsrechtliche und bauliche Maßnahmen nach sich ziehen kann.
Unterstützen Sie die Entwicklung eines solchen Konzeptes in Zusammenarbeit mit den Schulen, Kindergärten, Elternbeiräten und dem ADFC?
“Es gab in der Sache 2023 schon einmal einen Anlauf seitens der SPD vorangetrieben. Das Projekt scheiterte meines Erachtens am politischen Widerstand. Viele waren dafür. Schade eigentlich, dass daraus nichts geworden ist. Grundsätzlich müssen wir dieses Thema vorantreiben.”
Würden Sie in der Funktion des Bürgermeisters hier einen neuen Anlauf wagen wollen?
“Ja. Wir müssen klären, warum das in der Vergangenheit gescheitert ist und wir müssen Lösungen für ein gutes Schulradwegekonzept finden, das geht nicht anders.”
Unsere Idee als ADFC ist, in Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten und Elternbeiräten ein entsprechendes Konzept zu entwickeln. Es wäre schön, wenn dies die Unterstützung der Stadt erführe. Wäre dies etwas, dass Sie auf Ihre Agenda als Bürgermeister setzen?
“Ich würde noch einen Schritt weitergehen: Mir sind auch die Vorstellungen zu guten Schulradwegen der Schülerinnen und Schüler wichtig. Mit einer geeigneten Umfrage sollten wir auch Klarheit über deren Ängste und Sorgen beim täglichen Schulweg gewinnen.”

Tempo 30:
Studien belegen, dass Tempo 30 innerorts die Unfallzahlen senkt. Insbesondere kommt es hierbei zu weniger Schwerverletzten. Eine positive Auswirkung auf die Umwelt und ein besseres Sicherheitsempfinden der nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmenden kommen bei nur geringer Fahrzeitverlängerung hinzu. 81% der von uns befragten Papenburger*innen stimmten der Tempo-30-Regelung für bestimmte Straßen zu.
Wie ist es mit Ihnen? Unterstützen Sie Tempo 30 innerorts als Instrument, um Unfallzahlen zu verringern und das Sicherheitsempfinden der Papenburger*innen auf dem Rad zu erhöhen?
“Grundsätzlich: Ja!”
Hindernisse auf Radwegen
Ein großes Problem stellen vor allem für Handbike- und Rollstuhlfahrende regelmäßig Hindernisse wie z.B. Mülltonnen auf Rad- und Gehwegen dar. Manche Strecken sind an manchen Tagen gerade für Menschen mit Handicap gar nicht nutzbar. Große Umwege müssen dann in Kauf genommen werden.
Haben Sie Ideen zur Lösung dieses regelmäßig auftretenden Problems?
“Wir regen uns seit Jahren in der Stadt über solche Zustände auf, ohne dass wir wirklich in der Sache vorankommen. Barrierefreiheit ist ein Thema, dass ich als Bürgermeister deutlich stärker in Angriff nehmen wollen würde. Leute wie Michael Meyer von der CDU und dessen Mitstreiter der Interessensgemeinschaft für Behinderte muss man in ihrem Engagement ernst nehmen und unterstützen. Wir müssen alles wegräumen, was überflüssig ist. Wir müssen die Verkehrsinfrastruktur aus der Sicht der Menschen mit Handicaps denken und nicht vom Blickpunkt derer, die sich ohne Probleme in jeder Verkehrsformbewegen können. Nicht die Rollstuhlfahrer sollen sich nicht unseren Verkehrsbedingungen anpassen müssen. Wir müssen unsere Straßen, Wege und Plätze so gestalten, dass sie zu den Rollifahrern passen. Zum Beispiel muss der Hauptkanal so gestaltet werden, dass Menschen im Rollstuhl problemlos die Wege benutzen und in jedes Geschäft, in jedes Lokal hineinkönnen.”
Das heißt für den Hauptkanal auch die Abschaffung der abgerundeten Gehwegkanten.
“Wenn ich’s glätten kann, würde ich das tun, wenn es nur mit einem schrägen Kantsteinen geht, dann würde ich das angehen.”
Kooptierung
In der letzten Legislatur wurde für die Expertise im Radverkehr Thomas Witolla als Person kooptiertes Mitglied im Ausschuss für Infrastruktur und Kostencontrolling. Würden Sie für die kommende Legislatur sich für eine Kooptierung des ADFC im Stadtentwicklungsausschuss einsetzen?
„Da muss ich erst einmal eine Gegenfrage stellen. Inwieweit hat diese Kooptierung den Interessen des ADFC etwas gebracht? Ist irgendetwas umgesetzt, was Ihr eingebracht habt?“
"Natürlich können wir als ADFC Papenburg auf Erfolge verweisen. Beispielhaft seien die Verlegung der Haltelinie an der Flachsmeerstraße oder die (noch nicht vollständig umgesetzte) Gleichberechtigung des Rad- und Fußverkehrs an Ampeln genannt. Hier bekommt der Radverkehr in der Mehrheit der Fälle jetzt mit dem Kraftverkehr Grün und muss keine zusätzliche Wartezeit einlegen.
Ansonsten aber fällt unsere Bilanz eher gemischt aus. Anträge von uns wurden „vergessen“ an die Ausschussmitglieder zu verteilen und konnten dann nicht beraten werden. Spitzfindig wurden auf andere Ausschüsse weiterverwiesen oder bereits beschlossene Anträge im Ausschuss erfuhren von der Verwaltung eine Ablehnung. Manche hätten es sicher lieber gesehen, wenn wir unsere Ideen für eine fahrradfreundlichere Stadt nicht so aktiv eingebracht hätten."
„Mir würde die Kooptierung nicht ausreichen. Grundsätzlich möchte ich, dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt stärker in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Dabei ist die Kooptierung des ADFC wie auch anderer Interessensvertretungen obligatorisch. Wenn ich Bürgermeister werde, werden wir die politische Zusammenarbeit mit den Interessensvertretungen auf andere Füße, mit größerer Bürgerbeteiligung stellen. Wir können uns im Rat nicht einschließen. Wir brauchen bei den verschiedenen Entscheidungsprozessen die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie deren Interessensvertretungen. Das gilt natürlich auch für den ADFC.“
Herzlichen Dank für das Interview Wilhelm Reiners! Wir wünschen bei der Bürgermeisterwahl viel Erfolg und gutes Gelingen in der kommenden Legislatur.








