Bahnhof Aschendorf

Bahnhof Aschendorf © Ems-Zeitung / Judith Bootsmann

Meinung: Bahnhof in Aschendorf muss saniert werden

Der Aschendorfer Bahnhof befindet sich seit Jahren in einem desolaten Zustand. Jetzt wird die Stadt auf das nächste Jahrzehnt vertröstet. Verkehrswende und beschleunigter Ausbau sehen aber bei Weitem anders aus.

Es ist nicht nur das teils auch durch Vandalismmus beschädigte Äußere des Bahnhofs in Aschendorf, der den Ort zu einem "Lost Place" macht. Auch substanzielle Mängel schreien seit einem Jahrzehnt an dem Bahnhof nach Sanierung. Jetzt teilte Robert Guggenberger, DB-Vertriebsleiter Mobilität, bei einer Ortsbesichtigung der Bürgermeisterin der Stadt Papenburg und der Ortsbürgermeisterin Aschendorfs mit, dass in "absehbarer Zeit (...) nichts passieren“ wird. Frühestens solle in den 2030er-Jahren hier eine Erneuerung möglich werden.

Der seit vielen Jahren anhaltend desolate Zustand des Bahnhofs Aschendorf ist ein Trauerspiel. Während Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 Milliarden verschlingen, verkommen die Bahnhöfe in der Fläche. Spätestens bei der fehlenden Barrierefreiheit muss auch den Entscheidern bei der DB klar sein, das kann nicht so bleiben. Das ausgedrückte Bedauern des Herrn Guggenberger hilft da auch nicht. Die mitgeteilte Entscheidung ist eine Unverschämtheit, erst recht auf dem Hintergrund der in der Vergangenheit groß in Szene gesetzten Ankündigungen. Jetzt werden wir auf ein anderes Jahrzehnt vertröstet. Und dann?

Es ist ehrenwert und wichtig, dass sich Bürgermeisterin Gattung und Ortsbürgermeisterin Terhalle für den Bahnhof stark machen. Der Druck muss auch die Landesregierung erreichen.
Es ist aber nicht nur die oft wahrgenommene Selbstgefälligkeit, die von der Deutschen Bahn ausgeht. Es zeigt sich, dass die 1994 vorgenommene Privatisierung in vielen Bereichen nicht die versprochenen Lösungen gebracht hat. Im Gegenteil: Die Bahn wurde bis weit ins Schienennetz kaputtgespart. Im Vergleich zum Bundesfernstraßennetz ist sie seit Jahrzehnten unterfinanziert. Erst die jetzige Bundesregierung kehrt das Verhältnis von Finanzierung der Bundesfernstraßen zur Schiene um. Selbstverständlich aber reichen die genannten 45 Milliarden nicht aus, um das in Ordnung zu bringen, was Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Schon jetzt zeigt sich, dass eine Verdopplung des Betrages nötig sein wird. Wie bei den Krankenhäusern war die Entscheidung zu rein wirtschaftlichem Betrieb bestimmter öffentlicher Infrastruktur ein Fehler, nicht nur in Deutschland.
Der Aschendorfer Bahnhof muss umgehend saniert werden. Dafür braucht es mehr Druck auf die Bahn, aber auch eine Bundespolitik, die die Verkehrswende ernst nimmt und dauerhaft für eine solide Finanzierung sorgt.

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Meinung

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